Eurofins-Seminar: Produkte im Grenzbereich
Nahrungsergänzungsmittel, Lebensmittel, Arzneimittel - rechtliche Grundlagen des OTC-Marktes
Hamburg, 17. September 2010

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Melamin in Lebens- und Futtermitteln

Bereits im Frühjahr 2007 wurde bekannt, dass für die Herstellung von Heimtiernahrung dem verwendeten Weizenkleber Melamin zur Vortäuschung eines höheren Proteingehalts zugesetzt worden war. Eineinhalb Jahre später steht die Substanz im Mittelpunkt eines der größten Lebensmittelskandale der letzten Jahrzehnte mit vielen toten und mehreren tausend erkrankten Säuglingen in China. Diesmal war der höhere Proteingehalt in Milchpulver und anderen Milchprodukten vorgetäuscht worden. Zurzeit taucht Melamin in Europa vereinzelt in Bonbons und Feingebäck ostasiatischer Herkunft auf.

Entsprechend hat die EU die Einfuhr von Säuglings- und Kleinkindernahrung sowie die Einfuhr von zusammengesetzten Produkten aus China mit Milchbestandteilen verboten. Produkte, die mehr als 15% oder einen unbekannten Anteil an Milcherzeugnissen enthalten, dürfen nur nach vorheriger analytischer Prüfung eingeführt werden. Hier gilt ein Grenzwert von 2.5 mg/kg. In Deutschland ist die Einfuhr von Milcherzeugnissen aus China zur Verwendung als Säuglings- und Kleinkindernahrung grundsätzlich verboten.

Eurofins konnte schon 2007 die von der Food and Drug Administation entwickelte GC-MS Methode etablieren und Melamin sowie seine Abbauprodukte Ammelin, Ammelid und Cyanursäure in Lebens- und Futtermitteln mit Bestimmungsgrenzen von 2 bis 20 mg/kg, je nach Metabolit, nachweisen.

Nach dem Auftreten von Melamin in Lebensmitteln wurde bei Eurofins eine empfindlichere LC-MS/MS-Methode entwickelt, mit der eine Bestimmungsgrenze von 0,1 mg/kg für Melamin erreicht werden kann. Eurofins hat die Analyse von Melamin auch in den chinesischen Laboratorien etabliert. Für die Analysen in den deutschen Laboratorien werden fünf bis sieben Werktage benötigt.  

Hintergrundinformation zu Melamin

Melamin ist eine stickstoffreiche Verbindung, die insbesondere in der Kunststoffindustrie verwendet wird. 2007 wurde bekannt, dass Melamin in China illegal proteinhaltigen pflanzlichen Rohstoffen wie etwa Weizengluten, Reisprotein oder Maisgluten zugesetzt wird, um dadurch einen höheren Eiweißgehalt vorzutäuschen. Ferner kann die Substanz aus Verpackungsmitteln aus Melaminharz in Lebensmittel migrieren sowie aus dem Insektizid Cyromazin freigesetzt werden. Die Aufnahme von Melamin ist vor allem für kleine Kinder lebensbedrohlich: Melamin und sein Analog Cyanursäure bilden in den Nieren Kristalle, die zu einem Nierenversagen führen können.