Morphin in Mohn

Von Dr. Scarlett Biseli, Eurofins Wiertz-Eggert-Jörissen, Deutschland
Eurofins Food Testing Newsletter Nr. 22 - November 2006

Alle Artikel aus dieser Newsletter-Ausgabe Unser Newsletter als pdf-Dokument

Seit geraumer Zeit steht Speisemohn in der öffentlichen Diskussion. Auslöser war eine missbräuchliche Verwendung von Backmohnsaat. Eine Mutter hatte Mohn in Milch ausgekocht, um über die Milch ihren Säugling zu beruhigen. Der Säugling zeigte daraufhin schwere Atemstörungen und musste notärztlich behandelt werden.

Vor diesem Hintergrund erfolgte seitens des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) im April 2005 eine Bewertung von Morphin in Speisemohn. Es folgte eine Aufforderung verstärkt auf Morphin und andere Opiate zu untersuchen. Derzeit werden unterschiedliche „Orientierungs und Richtwerte" seitens der Überwachung herangezogen: Ein offizieller Grenzwert ist innerhalb von Europa einzig aus Ungarn bekannt, dieser beträgt 30 mg/kg Morphin in Mohnsaat. Richtwerte in Deutschland liegen im Bereich von 10-20 mg/ kg für Mohnsaaten und 4 mg/kg für Mohnerzeugnisse (www.bfr.bund.de, www.lgl.bayern.de, www.cvua-karlsruhe.de).

Etwa 10.000 t Mohnsaat werden Insgesamt in Deutschland gehandelt. Die Rohsaat wird ausschließlich aus dem Ausland importiert, wichtige Ursprungsländer sind vor allem Tschechien, Türkei, Österreich, Niederlande, Spanien und Australien. In Einzelfällen hatten sich Mohnproben mit hohen Alkaloidgehalten (> 100 mg/kg) im Handel befunden, wobei hoch belastete Mohnsaat häufig auf australischen Ursprung zurückgeführt werden konnte und daher derzeit nicht mehr in Deutschland gehandelt wird. Importware mit Morphingehalten < 20 mg/kg ist jedoch nur schwer erhältlich. Der Morphingehalt ist zum einen von der angebauten Sorte abhängig, zum anderen beeinflussen die Ernteverfahren ebenfalls das Ausmaß der Belastung. Verarbeitungsmaßnahmen wie Waschen, Mahlen, Erhitzen bzw. Backen des Mohns bewirken generell eine starke bis vollständige Reduzierung des Morphingehalts.

Eurofins Wiertz-Eggert-Jörissen analysiert seit Oktober 2005 Morphin und dessen Begleitalkaloide (Papaverin, Noscapin, Codein). Mit der HPLC-MS/MS steht eine leistungsfähige Routine-Messmethodik zur Verfügung, die eine aufwändige Probenaufarbeitung häufig überflüssig macht. Dies ermöglicht allen Beteiligten der Handels- und Verarbeitungskette eine schnelle und sichere Überprüfung Ihrer Warenqualität.

Kontakt: Scarlett.Biselli@WEJ.de