Bromierte POPs - ein unterschätztes Risiko?

Von Rainer Grümping, Eurofins I GfA, Germany
Eurofins Food Testing Newsletter Nr. 25 - November 2007

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Aufgrund der hohen Toxizität einzelner bromierter POPs (persistente organische Kontaminanten) sollten diese Verbindungen ein Bestandteil zeitgemäßer Lebens- und Futtermittelüberwachung sein.

Bromierte Flammschutzmittel (BFR) sind Chemikalien, welche zwecks Herabsetzung der Entflammbarkelt häufige Anwendung In Haushaltsgeräten und Industrieprodukten finden. Typische Beispiele hierfür sind vielfältige Elektronikprodukte, Isoliermaterialien, Matratzen und Polstermöbel. Insbesondere die In der Tabelle aufgelisteten BFR wurden bzw. werden Immer noch In großen Mengen hergestellt und weltweit eingesetzt. Aufgrund der industriellen Produktion, der vielfältigen Anwendungsformen sowie diverser Entsorgungsprozesse sind BFR In der gesamten Umwelt weitverbreitet.

Polybromierte Dibenzodioxine (PCDD) und Dibenzofurane (PCDF) sind unerwünschte Nebenprodukte chemischer Prozesse und werden außerdem bei der Verbrennung von BFR In Kunststoffen und anderen Produkten gebildet. So konnten kurz nach dem Attentat vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in zahlreichen Asche- und Löschwasserproben aus der Umgebung vom "Ground Zero" auffällig hohe PBDE-und PBDF-Konzentrationen nachgewiesen werden.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass insbesondere Fischerzeugnisse aber auch andere tierische Lebensmittel (z. B. Milchprodukte, Fleisch) erhöhte Belastungen aufweisen. Die PBDE-Gehalte In Humanproben sind in den letzten drei Jahrzehnten um nahezu den Faktor 100 angestiegen. Da diese bromierten POPs lyophile, persistente und bioakkumulatlve Eigenschaften zeigen, wird die toxikologische Wirkung zunehmend kritisch betrachtet. Daher wurde die PBB-Produktlon bereits Im letzten Jahrhundert weltweit eingestellt.

Gleichfalls wurde mit der Einführung der RoHS-RIchtllnie die Verwendung einzelner PBDE-Formullerungen (Penta- und Octa-BDE) in Europa verboten und gemäß der europäischen Wasserrahmenrichtlinie 200/60/EC wurden PBDE als prioritäre Substanzen klassifiziert. Die Anwendung von Deca-BDE wird weiterhin kontrovers diskutiert. Tierversuche haben gezeigt, daß bromierte Dioxine toxikologische Eigenschaften zeigen, die vergleichbar mit denen der bekanntermaßen sehr toxischen, chlorierten Dioxine sind. Daher wird von der WHO auch für PBDD/F-Kongenere die Einführung von toxischen Äquivalenzfaktoren (TEF) gefordert.

Eurofins verfügt über langjährige Erfahrung In der Bestimmung der o.g. Kontaminanten In Lebens- und Futtermitteln, Umweltproben und Industrieprodukten. Die etablierten analytischen Verfahren sind gemäß DIN EN ISO 17025:2005 akkreditiert. Im Auftrag europäischer Behörden führt Eurofins regelmäßig Untersuchungsprogramme hinsichtlich der Gehalte an bromierten POPs in Fischprodukten, Milch und weiteren Lebensmitteln durch. Mit der regelmäßigen BFR-Analytik diverser Futtermittel auf Fischbasis unterstützt Eurofins die Qualitätsprogramme Internationaler Futtermittelhersteller. Das Monitoring von bromierten POPs sollte fester Bestandteil behördlicher Untersuchungsprogramme und eines zukunftsweisenden Qualitätsmanagements In der Lebens- und Futtermittelindustrie sein.

Kontakt: RainerGruemping@eurofins.de

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