Nachhaltige Methoden in der modernen Nährwertanalytik

Vier Beispiele für die nachhaltige Bestimmung des Fett- und Proteingehalts in Lebens- und Futtermitteln
April 2026 (Update). Die Einbettung von Nachhaltigkeitsprinzipien in unser Geschäftsmodell und in unser tägliches Handeln ist ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensphilosophie der Eurofins Labore für Lebens- und Futtermittelanalytik in Deutschland. In der Fettgehaltsbestimmung und Proteinanalytik haben sich in den letzten Jahren neue, nachhaltigere, Methoden etabliert, die zunehmend auch in der Routineanalytik eingesetzt werden. Diese zeichnen sich u. a. durch einen geringeren Chemikalieneinsatz, einen verringerten Stromverbrauch und eine reduzierte Anzahl an Verbrauchsmaterialien (z. B. Plastik) aus.
Neu: Ab sofort für NMR-Methode akkreditiert
Die NMR‑Methode zur nachhaltigen Bestimmung des Fettgehaltes in Lebensmitteln wird innerhalb der Eurofins Gruppe nach erfolgreicher DAkkS‑Begutachtung seit Februar 2026 akkreditiert angeboten.
Wir geben Ihnen einen Überblick über drei dieser nachhaltigen Methoden zur Bestimmung des Fett- und Proteingehaltes Ihrer Lebens- und Futtermittel.
Mikrowellen-basierte Fettbestimmung in Lebens- und Futtermitteln
Die klassischen Methoden zur Fettbestimmung (z. B. Röse-Gottlieb oder Weibull-Stoldt) sind gravimetrisch und basieren auf dem Aufschluss einer Probe mit Säure und der anschließenden Extraktion des Fettes mit einem organischen Lösungsmittel. Dies ist zeitaufwendig und mit einem hohen Chemikalien- und Stromverbrauch verbunden. Bei der mikrowellenbasierten Fettbestimmung werden diese chemischen Reaktionsschritte parallel in einem geschlossenen Gefäß innerhalb einer Mikrowelle durchgeführt (closed-vessel technology). Dadurch wird die Analysenzeit verkürzt und der Chemikalienverbrauch um 70 % reduziert. Beide Methoden sind hinsichtlich ihrer Genauigkeit, Sensitivität und Robustheit identisch. Der Stromverbrauch und der Platzbedarf der mikrowellenbasierten Methode sind jedoch geringer als bei der klassischen Methode.
Dumas zur Bestimmung des Proteingehaltes in Lebens- und Futtermitteln
Die Kjeldahl-Methode war lange Zeit die gebräuchlichste Methode zur Bestimmung des Proteingehalts von Lebensmitteln, in den letzten Jahren hat jedoch auch das Verfahren nach Dumas an Bedeutung gewonnen. Es basiert auf der Verbrennung einer Probe und der anschließenden Bestimmung ihres Gesamtstickstoffgehalts und bietet eine schnellere und sicherere Alternative, die im Vergleich zur Kjeldahl-Methode auf "Green Chemistry" basiert. Das bedeutet, dass bei der Analyse nach Dumas keine aggressiven Säuren, Laugen oder SVHC (Substances of Very High Concern), die auf der Kandidatenliste für die Zulassung gemäß der REACH-Verordnung stehen, verwendet werden. Die Analyse pro Probe dauert nur etwa 5 Minuten und nicht mehrere Stunden wie bei der Kjeldahl-Methode.
Dumas als international anerkannte Methode
Die Dumas-Methode ist seit mehr als 25 Jahren anerkannt und inzwischen von einer Reihe internationaler Organisationen validiert, darunter AOAC, AACC, ISO, AOCS und OIV. Für zahlreiche Lebensmittel gibt es ISO-Normen, die diese Methode zur Bestimmung von Proteinen verwenden. Zudem ist in der Verordnung (EG) Nr. 152/2009 der Kommission festgelegt, dass die Dumas-Methode für die Analyse von Rohprotein in Futtermitteln verwendet werden kann, sofern sie zu Ergebnissen führt, die mit denen der Kjeldahl-Methode vergleichbar sind.
Zusätzlich erlaubt die Europäische Kommission ausdrücklich die Nutzung der Dumas-Methode anstelle der Kjeldahl-Methode auch für die Routineanalytik von Lebensmitteln unter der Voraussetzung, dass diese, ebenso wie bei den Futtermitteln, gegenüber Kjeldahl validiert wurde und vergleichbare Ergebnisse liefert. Demnach wird der zu deklarierende Eiweißgehalt für alle Lebensmittel und Futtermittel durch die Multiplikation des Dumas-Stickstoff mit 6,25 ermittelt (bei Milchprodukten mit 6,38). Die von uns angewandte Bestimmung des Eiweißgehalts durch Dumas entspricht den Anforderungen zur Kennzeichnung des Eiweißgehalts gemäß der europäischen Kennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1169/2011.
Die Dumas‑Methode zur nachhaltigen Bestimmung des Proteingehaltes in Lebens‑ und Futtermitteln wird innerhalb der Eurofins Gruppe nach erfolgreicher DAkkS‑Begutachtung seit August 2025 akkreditiert angeboten.
NMR zur Bestimmung des Fettgehaltes in Lebensmitteln
Die Anwendung der Kernresonanzspektroskopie (engl. Nuclear Magnetic Resonance - NMR) zur Bestimmung des Fettgehalts in Lebensmitteln basiert auf der quantitativen Analyse von Protonen in der Lipidfraktion. Die Methode zeichnet sich durch hohe Präzision und Reproduzierbarkeit aus, da sie auf physikalischen Prinzipien beruht und nicht von chemischen Reaktionen oder Matrixeffekten beeinflusst wird.
Im Gegensatz zur klassischen chemisch-gravimetrischen Methode erfordert die NMR keine aufwendige Probenvorbereitung und kommt ohne den Einsatz von Säuren und Lösemitteln aus. Zudem dauert die Messung selbst nur wenige Minuten. Sie eignet sich damit hervorragend zur sicheren und schnellen Bestimmung des Fettgehalts in Lebensmitteln.
NMR als international anerkannte Methode
Für Milch und Milchprodukte wurde 2024 eine ISO / IDF Norm zur Anwendung der NMR-Technik als Referenzverfahren zur Fettbestimmung in Milch und Milchprodukten veröffentlicht. Da das Verfahren im Gegensatz zum klassischen nasschemischen Verfahren noch relativ neu ist und die Anschaffung eines NMR mit erheblichen Kosten verbunden ist, sind bisher noch nicht viele Normverfahren erschienen. Generell besteht eine Anerkennung des Messprinzips.
Gemäß der europäischen Kennzeichnungsverordnung (EU) Nr. 1169/2011 versteht man unter dem zu deklarierenden Fettgehalt alle Lipide – einschließlich Phospholipide. Eine anzuwendende Methode wird in der Verordnung nicht angegeben. Die von Eurofins angewandte NMR-Methode zur Bestimmung des Fettgehaltes in Lebensmitteln erfasst sowohl Fettsäuren als auch Phospholipide. Demzufolge entspricht die Methode den Anforderungen der Europäischen Kennzeichnungsverordnung zur Angabe des Fettgehaltes in Lebensmitteln.
Die NMR-Methode ist die bevorzugte Methode für Routineanalysen. Sie ist schneller, sicherer und basiert im Vergleich zum klassischen Weibull-Stoldt-Referenzverfahren auf "Green Chemistry".
NIR zur parallelen Fett-, Wasser-, Protein- und BEFFE-Bestimmung
Die NIR-Spektroskopie (Nahinfrarotspektroskopie) ermöglicht die kombinierte Bestimmung des Wasser-, Fett-, Protein- und BEFFE-Gehaltes in einer einzigen Analysemethode. Dabei wird die Probe mit Licht bestrahlt, das Absorptionsspektrum gemessen und die Spektren mittels einer Datenbank zur quantitativen Bestimmung der Gehalte verwendet. Im Gegensatz zu den klassischen nasschemischen Methoden für Wasser (Trockenschrank), Fett (Weibull-Stoldt), Protein (Kjeldahl) und BEFFE (photometrische Bestimmung) beträgt die Analysezeit der NIR-Spektroskopie für alle vier Parameter nur wenige Minuten. Daneben werden keine Chemikalien benötigt, es entsteht kein Abfall und es handelt sich um eine nicht-destruktive Methode, so dass das Probenmaterial nach der NIR-Spektroskopie für weitere Analysen verwendet werden kann. Wir bieten Ihnen die akkreditierte NIR-Spektroskopie in der Routineanalytik bereits für Fleisch und Käseprodukte an. Gerne erweitern wir die Methode für Sie durch den Zukauf weiterer Datenbanken auf andere Matrices wie Backwaren, Getränke, Getreide, Milchprodukte.
Wir unterstützen Sie!
Wir bieten Ihnen ein umfangreiches Spektrum nachhaltiger Methoden zur Bestimmung des Fett- und Proteingehaltes Ihrer Lebens- und Futtermittel an. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten kontaktieren Sie gerne Ihre:n persönliche:n Ansprechpartner:in oder wenden Sie sich direkt an unser Expertenteam.
